Eigensucht, keine Skrupel und völlige Gleichgültigkeit – das wirft die Staatsanwaltschaft dem sogenannten Todespfleger vor, der sechs seiner Patienten umgebracht haben soll, darunter auch einen Mann aus Wiesenbronn im Kreis Kitzingen. Seit Dienstag steht der 38-jährige Pole in München vor Gericht. Zu Prozessbeginn kündigten seine Anwälte an, dass er sich zu den Vorwürfen nicht äußern wird. Er soll aber seinem Gutachter gesagt haben, dass ihm die Taten leid tun. Er habe niemanden umbringen wollen. Er habe einfach nur seine Ruhe haben wollen. Laut des psychologischen Gutachtens wuchs der Angeklagte in einem kleinen Dorf in Polen auf. Er sei ein Einzelgänger gewesen, habe weder Freunde noch eine Beziehung oder jemals Sex gehabt. Bereits in seiner Kindheit habe er angefangen zu klauen. Als Teenager war er überwiegend in Erziehungsheimen untergebracht. Dann absolvierte der Mann eine einjährige Ausbildung als Mechaniker-Schlosser, rutschte in die Arbeitslosigkeit. Im Jahr 2008 kam der Angeklagte ins Gefängnis, angeblich wegen kleinerer Betrugsdelikte. 2014 wurde er entlassen, belegte dann ein Jahr später einen siebenmonatigen Pflegekurs als Betreuer für ältere Menschen und auch einen Deutschkurs. Danach arbeitete er dann als Hilfspfleger in ganz Deutschland. Und das laut Anklage nur, um sich an seinen Patienten zu bereichern, nicht, um ihnen zu helfen. Das soll aber nicht immer ganz unkompliziert gewesen sein, weil beispielsweise Angehörige ebenfalls im Haus wohnten. In diesen Fällen - oder auch, wenn er tatsächlich etwas arbeiten sollte, es keinen Internetzugang oder kein Mittagessen gab - soll er seinen Patienten Insulin gespritzt haben. Als Diabetiker kam er ohne Schwierigkeiten an das Mittel. Dadurch starben sie oder kamen ins Krankenhaus und er konnte problemlos in den nächsten Haushalt wechseln. Auf diese Weise blieb der Angeklagte nie länger als ein paar Tage beim gleichen Patienten. Laut Anklage stahl er Wertsachen, Geld, Wein, Waschmittel, Toilettenpapier oder auch Klobürsten. Einmal soll er die Angehörigen eines verstorbenen Patienten nach dessen Handy und Wertsachen gefragt haben, da der Tote diese ja nicht mehr brauche. Das Leben seiner Patienten, so steht es in der Anklage, sei "dem Angeklagten völlig gleichgültig" gewesen.

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