Das Altersvorsorgedepot ab 2027: Wie der Riester-Nachfolger funktioniert

Altersvorsorge Riester ETF — © Bild: Markus Winkler from Pixabay
Bild: Markus Winkler from Pixabay

Zum 1. Januar 2027 tritt mit dem Altersvorsorgedepot (kurz AVD) eine neue, staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge an die Stelle der Riester-Rente im Neugeschäft. Anders als beim bisherigen Modell wird das Geld nicht in einen Versicherungsmantel mit Beitragsgarantie gelenkt, sondern in ein Wertpapierdepot, das in Fonds und ETFs investieren kann. Der Staat beteiligt sich über Zulagen. Höhere Renditechancen stehen dabei höheren Risiken gegenüber, denn eine Garantie auf die eingezahlten Beiträge gibt es nicht.

Was das Altersvorsorgedepot ist

Das Altersvorsorgedepot ist ein gefördertes Depot, über das Sparerinnen und Sparer gezielt für das Alter anlegen. Statt einer vorgeschriebenen Beitragsgarantie setzt das Modell auf kapitalmarktorientierte Anlagen – typischerweise breit gestreute ETFs. Das eröffnet langfristig die Chance auf mehr Rendite, bedeutet aber auch, dass der Wert schwanken kann und Verluste möglich sind.

Neben dem klassischen Altersvorsorgedepot sieht die Reform ein besonders einfach gestaltetes Standardprodukt vor, bei dem die Effektivkosten auf 1,0 Prozent begrenzt sind. Es richtet sich an alle, die sich die eigene Auswahl nicht zutrauen und eine unkomplizierte Lösung suchen.

Wie die Förderung funktioniert

Die staatliche Förderung ist bei der Reform grundlegend neu geregelt und hängt künftig allein von der eigenen Sparleistung ab, nicht mehr vom Einkommen. Nach dem Gesetz gibt der Staat auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr 50 Cent je eingezahltem Euro hinzu, das entspricht bis zu 180 Euro. Für Beiträge darüber bis zu einer Grenze von 1.800 Euro sind es 25 Cent je Euro. Wer die vollen 1.800 Euro selbst einzahlt, erreicht damit eine Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr. Vorausgesetzt wird ein Mindesteigenbeitrag von 120 Euro jährlich.

Hinzu kommen weitere Bausteine: eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro je Kind und Jahr sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für Personen unter 25 Jahren. Einen Überblick über die Reform und die einzelnen Förderregeln bietet das Bundesfinanzministerium mit seinen Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge.

Der Unterschied zur Riester-Rente

Der auffälligste Unterschied ist der Verzicht auf die verpflichtende Beitragsgarantie. Bei der Riester-Rente mussten die eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn garantiert werden, was Anlagemöglichkeiten einschränkte und Rendite kostete. Beim Altersvorsorgedepot entfällt diese Vorgabe zugunsten einer freieren, kapitalmarktnahen Anlage.

Für bestehende Riester-Verträge gilt Bestandsschutz: Wer bis Ende 2026 abgeschlossen hat, wird weiter nach den bisherigen Regeln gefördert. Neue Riester-Verträge sind danach nicht mehr vorgesehen. Ein freiwilliger Übertrag bestehender Verträge in ein Altersvorsorgedepot soll möglich sein. Erstmals steht die geförderte Vorsorge zudem auch Selbstständigen offen.

Chancen und Risiken im Blick behalten

Die Renditechancen eines breit gestreuten ETF-Portfolios sind der zentrale Vorteil gegenüber garantiebasierten Produkten. Gleichzeitig trägt die Anlegerin oder der Anleger das Marktrisiko selbst. Kurzfristige Wertschwankungen gehören dazu, und über kurze Zeiträume sind auch Verluste möglich. Für die Altersvorsorge spielt deshalb der lange Anlagehorizont eine wichtige Rolle, über den sich Schwankungen historisch eher ausgeglichen haben – eine Garantie für die Zukunft ist das jedoch nicht.

Eine zweite, oft unterschätzte Größe sind die laufenden Kosten. Über Jahrzehnte kann bereits ein kleiner Unterschied bei den jährlichen Gebühren das Endergebnis spürbar verändern. Kosten und ETF-Auswahl zählen deshalb zu den wichtigsten Kriterien bei der Entscheidung.

Worauf bei der Anbieterwahl zu achten ist

Weil sich die Häuser bei Gebühren, verfügbaren Fonds und Ausgestaltung des Depots unterscheiden, lohnt sich vor einer Entscheidung ein genauer Blick. Hilfreich ist ein unabhängiger AVD Vergleich, der die Konditionen verschiedener Anbieter gegenüberstellt und die Unterschiede einordnet. Sinnvolle Prüfpunkte sind die Gesamtkosten, die Bandbreite der wählbaren ETFs, die Transparenz der Wertentwicklung und die Möglichkeit eines späteren, kostenfreien Anbieterwechsels.

Schritt für Schritt: So lässt sich der Start vorbereiten

Auch wenn Verträge erst ab 2027 abgeschlossen werden können, lässt sich die Entscheidung bereits vorbereiten:

  1. Bedarf klären: Die eigene Versorgungssituation und die mögliche Rentenlücke einschätzen.
  2. Budget festlegen: Überlegen, welcher monatliche Eigenbeitrag dauerhaft tragbar ist.
  3. Förderung berechnen: Grund-, Kinder- und etwaige Einsteigerzulagen in die Planung einbeziehen.
  4. Anbieter vergleichen: Kosten, ETF-Auswahl und Flexibilität verschiedener Häuser gegenüberstellen.
  5. Riester prüfen: Bei bestehenden Verträgen abwägen, ob Bestandsschutz oder ein späterer Übertrag sinnvoller ist.
  6. Entwicklung verfolgen: Bis zum Start die Zertifizierung und die konkreten Angebote der Anbieter beobachten.

Rechtlicher Rahmen und Zeitplan

Die Grundlage bildet das Altersvorsorge-Reformgesetz, dem der Bundestag am 27. März 2026 und der Bundesrat am 8. Mai 2026 zugestimmt haben. Weiterführende Informationen zur gesetzlichen Neuregelung stellt die Deutsche Rentenversicherung zum Altersvorsorge-Reformgesetz bereit.

Produkte können ab dem 1. Januar 2027 angeboten und bespart werden. In der Übergangszeit stand die Zertifizierung einzelner Angebote noch aus, und die konkreten Konditionen der Anbieter nahmen erst nach und nach Gestalt an. Ein genauer Blick auf den jeweils aktuellen Stand ist daher vor einer Entscheidung ratsam.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot verbindet staatliche Zulagen mit der Renditechance kapitalmarktnaher Anlagen und verzichtet im Gegenzug auf eine Beitragsgarantie. Für die Einordnung sind drei Punkte entscheidend: die Höhe der persönlichen Förderung, die langfristigen Kosten und die Bereitschaft, Wertschwankungen auszuhalten. Wer diese Faktoren kennt und verschiedene Anbieter vergleicht, kann die neue Vorsorgeform besser bewerten. Dieser Überblick ersetzt keine individuelle Finanzberatung, sondern soll eine erste, sachliche Orientierung geben.

Das könnte Dich auch interessieren

Bild: Pexels from Pixabay.comKennzeichen verloren oder gestohlen – was jetzt zu tun istWer feststellt, dass ein Kennzeichen am Fahrzeug fehlt, sollte zügig und in der richtigen Reihenfolge handeln: bei einem Diebstahl zuerst Anzeige bei der Polizei erstatten, die eigene Kfz-Versicherung informieren und anschließend bei der Zulassungsbehörde ein neues Kennzeichen beantragen. Bis die neuen Schilder montiert und amtlich gestempelt sind, darf das Auto nicht auf öffentlichen Straßen bewegt Bild: Soofia Tailor / Pixabay.comEdelmetalle bewerten lassen: Wie Wiegen, Analyse und Preisbildung ablaufenWer Gold, Silber oder Platin bewerten lassen möchte, durchläuft im Fachbetrieb drei nachvollziehbare Schritte: das genaue Wiegen, die Bestimmung des Feingehalts und die Berechnung des Werts anhand des aktuellen Marktpreises. Transparent ist eine Bewertung dann, wenn jeder dieser Schritte offen abläuft und sich für Kundinnen und Kunden nachvollziehen lässt. Wer die Grundlagen kennt, kann das Bild: kodeturbo.comSie suchen einen Lieferanten für Turboladerteile? Entdecken Sie das Angebot von KODE!Wer Turbolader professionell instand setzt oder Ersatzteile vertreibt, braucht einen zuverlässigen Lieferanten. Bild: pixabay.comMetallmöbel im Garten - Warum die Terrasse längst mehr als ein Platz für Tisch und Stühle istDie Terrasse hat sich verändert. Früher reichten oft ein Tisch, vier Stühle und ein Sonnenschirm. Heute wird der Außenbereich viel stärker wie ein zusätzlicher Wohnraum gedacht: morgens Kaffee, mittags Essen mit der Familie, abends ein längeres Gespräch mit Freunden. Metallmöbel passen gut zu diesem Wandel, weil es sie sowohl als klassische Essgruppe als auch als
expand_less